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Die wichtigsten Charakteristiken der Wissenschaftseinrichtungen des öffentlichen Sektors in der Region der Oder-Partnerschaft |
Die wichtigste Statistikgröße, die sowohl in OECD-Ländern als auch in der EU Analysen im Bereich Forschung und Entwicklung zugrunde gelegt werden, ist der GERD-Faktor (Gross Domestic Expenditure on Research and Development, engl. für inländische Bruttoaufwendungen für Forschung und Entwicklung), der für folgende Sektoren errechnet wird: Regierung (GOVERD), Hochschulen (HERD), Wirtschaft (BERD) sowie private Non-Profit-Einrichtungen (PNP).
Nach Angaben von Eurostat betrug der globale GERD für die EU-27 im Jahre 2006 insgesamt 213 127 Mio. EUR, wovon 35,4% Aufwendungen der Sektoren GOV (Regierung) und HES (Hochschulen) bildeten. Die Aufwendungen der GOV und HES aus Polen und Deutschland zusammen machte 2006 einen Anteil von 13% der gesamten Aufwendungen der EU-27 in diesen Sektoren aus. Die Aufwendungen für F+E in den Bundesländern und Wojewodschaften der Region der Oder-Partnerschaft 2006 in den Sektoren GOV und HES können auf 2 468 Mio. EUR geschätzt werden, wobei hier ca. 93,3 % auf die deutsche Seite des Gebietes entfielen. 3,22% der gesamten europäischen Aufwendungen der GOV und HES wurden in den beteiligten Regionen der Oder-Partnerschaft getätigt.
Im Jahre 2008 betrugen die Ausgaben des öffentlichen Sektors für Forschung und Entwicklung in Deutschland 9 346 Mio. EUR, wobei in der Region der Oder-Partnerschaft 24,6 % der gesamten Mittel konzentriert waren. Die stärkste Region war Berlin, wo die internen Aufwendungen für F+E 2008 sich auf 1 042 Mio. EUR beliefen. Die schwächste Region in dieser Hinsicht ist Mecklenburg-Vorpommern (vgl. Tab. 1). In Polen betrugen die Ausgaben für F+E des Hochschul- und des Regierungssektors im Jahre 2008 insgesamt 5 315,7 Mio. PLN, wovon 16,6% auf die an der Oder-Partnerschaft beteiligten Wojewodschaften entfiel. Die stärkste Wojewodschaft in dieser Hinsicht war Großpolen, wo die Aufwendungen dieser Sektoren sich 458,9 Mio. PLN beliefen. Mit 14,9 Mio. PLN war die Wojewodschaft Lebuser Land Schlusslicht (vgl. Tab. 2).
Tab. 1. Gesamtausgaben und Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von Wissenschaftseinrichtungen des öffentlichen Sektors 2006-2008 in Deutschland [1 000 EUR]

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 14 / Reihe 3.6 , 2008.
Tab. 2. Gesamtausgaben und Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von Wissenschaftseinrichtungen des Regierungssektors und des Hochschulsektors 2006-2008 in Polen [1 000 000 PLN]. Bemerkung: Die Statistik der Hochschulen in Polen umfasst ebenfalls Schulen in freier Trägerschaft, was die hier dargestellten Ergebnisse mit einem Fehler behaftet. Dieser Fehler kann je nach Partnerregion bis zu 5% betragen.

Quelle: BDR.GUS.
In den Eurostat-Statistiken zu regionalen Studien wird angegeben, dass das Verhältnis des GERD zum regionalen BIP 2005 in den untersuchten Bundesländern 3,82% für Berlina bzw. 3,59% für Dresden betrug. Beide Regionen werden in die Klasse der Regionen mit dem höchsten Wert dieses Indikators unter den europäischen Regionen eingestuft. Im übrigen Teil des mit der Befragung erfassten Gebietes auf deutscher Seite gestaltet sich dieser Indikator in den unteren Bereichen über dem Durchschnitt. In den polnischen Wojewodschaften der Oder-Partnerschaft ging dieser Indikator nicht über das niedrigste Niveau der Aufwendungen unter den europäischen Regionen hinaus. Den höchsten Wert erzielte mit 0,47% die Wojewodschaft Großpolen, den niedrigsten mit 0,15% des regionalen BIP – die Wojewodschaft Lebuser Land.
Der GERD-Betrag ist in der vorliegenden Studie kein geeignetes Maß für die Einschätzung des Forschungspotentials. In der besagten Untersuchung wurden die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf Grund des Charakters der Daten nur strukturell berücksichtigt. Bei den meisten Einrichtungen sind die detaillierten Statistiken über F+E-Aufwendungen durch Betriebsgeheimnis erfasst und eine Untersuchung, die über das Untersuchungsprogramm der öffentlichen Statistik hinausgeht, garantiert den Befragten diesbezüglich nicht den erforderlichen Schutz. Bei der Struktur der im Rahmen der Befragung von den Befragten gemeldeten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung ist der hohe Anteil der nationalen öffentlichen Finanzierung beachtenswert: in Polen mit über 70%, in Deutschland mit über 50%. Groß ist der Unterschied zwischen Deustchland und Polen in der Finanzierung der Forschung aus privaten Mitteln. Der Anteil dieser Mittel in Polen ist in der Sparte der Hochschulen dreimal niedriger und bei nicht schulischen Einrichtungen rund 40mal niedriger als in Deutschland.
Polnische Veröffentlichungen geben oft die Anzahl der Forschungseinrichtungen an, was auch die Tabelle 3 zeigt. Die Schwäche dieser Statistik ist aber in diesem Falle mit der besonderen Organisationsform der Hochschulen verbunden, weil dort die Fakultäten (bzw. Institute oder fakultätsübergreifende Ebene) grundsätzlich als Einheiten gelten, auf deren Ebene die Forschungs- und Entwicklunsarbeit betrieben wird. Die meisten Frascati Family Untersuchungen lassen aber zur möglichst geringen Belastung der Befragten eine Berichterstattung auf der Ebene der oberen Organisationsstufe (Rektorat) zu, was wiederum die Anwendung verschiedener Verfahren zur Verteilung der erworbenen Sammelinformation auf die einzelnen Wissenschaftszweige erforderlich macht. Derartige Verfahren werden in der deutschen öffentlichen Statistik angewandt. In den der Untersuchung unterzogenen Wojewodschaften der Region der Oder-Partnerschaft ist eine recht niedrige Konzentration der Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) und der Institute, die den Status von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen genießen, bezeichnend. Eine ähnliche Übersicht wurde für die Forschungs- und Entwicklunseinrichtungen auf der deutschen Seite der Region der Oder-Partnerschaft erstellt (vgl. Tab. 3). Auf der deutschen Seite ist die Verteilung der Anzahl der Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen nicht so stark ungleichmäßig wie in Polen.
Tab. 3. Anzahl der öffentlichen Einrichtungen, die Forschung und Entwicklung betreiben – Stand 2008.

Quelle: Angaben des Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen.
Tab. 4. Anzahl der öffentlichen Einrichtungen, die Forschung und Entwicklung betreiben – Stand 2008

Quelle: eigene Berechnungen anhand der Angaben, die von Vertretern der Regionen der Oder-Partnerschaft für Arbeitskontakte zur Verfügung gestellt wurden.
Eine adäquate Statistik in der Beurteilung des Forschungspotentials der Region müsste die Untersuchung der Humanressourcen als Anzahl der Beschäftigten und als Vollzeit-Äquivalent – EPC darstellen. Die Höhe von EPC im Bezug auf die Gesamtanzahl der Beschäftigten bei den F+E Arbeiten wird in den Frascati Family Untersuchungen unterschiedlich geschätzt. Gemäß den Empfehlungen wenden die europäischen Länder die Methoden an, die sich aus ihren Erfahrungen ergeben. Der im Fragebogen verwendete Umrechnungsfaktor wurde detailliert in den Erläuterung zum Fragebogen erklärt.
In Polen wird die bedeutendste Gruppe der Beschäftigten, die bei den F+E Arbeiten tätig sind, in den Hochschulen nachgewiesen. Im Jahre 2008 gab es 43 478,9 EPC von 74 595,8 EPC insgesamt. In den Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen haben bei den F+E Arbeiten 14 321,5 EPC, wobei in den PAN-Einrichtungen 5 903,8 EPC gearbeitet. In der Gesamtanzahl von ca. 119,6 Tsd. Personen, die bei den F+E Arbeiten in Polen beschäftigt waren, haben die zahlreichste Gruppe die Personen mit einem Doktor- oder Dr. habil.-Titel gebildet - 56,6 Tsd. (darunter Dr. habil. 12,1 Tsd. Personen). Charakteristisch nach 2000 ist der bedeutende Abgang der Mitarbeiter von den Einrichtungen, die hauptsächlich aus den Haushaltsmitteln finanziert wurden, also von den Wissenschaftseinrichtungen PAN und einem Teil der F+E-Einrichtungen. Im Bereich des Hochschulwesens ist die Beschäftigung nach dem Jahr 2004 um über 7 Tsd. Personen, dh. um über 8 % zurückgegangen.
In Deutschland wurde die zahlreichste Gruppe der Beschäftigten, die bei den F+E Arbeiten tätig sind, in der Wirtschaft – 332 909 EPC von 523 975 EPC Beschäftigten bei den F+E Arbeiten insgesamt im Jahre 2008 notiert. Im Sektor des Hochschulwesens betrug die Beschäftigung 108 000 EPC. Nach 2000 ist die Beschäftigung in F+E in Deutschland in den Hochschulen und Unternehmen zurückgegangen, jedoch nach 2006 hat man einen bedeutenden Anstieg der Beschäftigung in diesen Bereichen notiert. Im Jahre 2008 war die Beschäftigung im Bereich F+E in Deutschland 12 Mal höher als die in Polen im analogischen Zeitraum.
Eurostat gibt an, dass von der Gesamtanzahl der Beschäftigten in der Region Land Berlin 1,67% Personen in der Forschung und Entwicklung (2005) tätig sind, was Berlin in den oberen Grenzen über dem mittleren europäischen Niveau qualifiziert . Die restlichen Bundesländer wurden unterhalb des mittleren europäischen Niveaus qualifiziert –Sachsen in den oberen Grenzen, die restlichen Bundesländer in den unteren Grenzen. Die Angaben aus Polen (2005) zeigen, dass die Wojewodschaften Niederschlesien und Großpolen in den unteren Grenzen unterhalb des mittleren europäischen Niveaus, die Wojewodschaft Westpommern in den oberen Grenzen des niedrigsten Niveaus und die Wojewodschaft Lebuser Land in den unteren Grenzen liegen. In der Tabelle 5 und 6 sind genaue Untersuchungen der Humanressourcen in der Wissenschaft in den Wojewodschaften und Bundesländern der Region der Oder-Partnerschaft dargestellt. In dem weiteren Teil der Studie, in der Fragebogen-Untersuchung, wurde die Aufmerksamkeit den öffentlichen Einrichtungen gewidmet. Analogische Daten wurden in der Tabelle 5 und 6 dargestellt; für Polen wurden Informationen über den Regierungsbereich (GOV) und den Bereich der Hochschulen (HES) verwendet, weil adäquate Statistiken nicht verfügbar sind.
Tab. 5. Beschäftigte im Bereich Forschung und Entwicklung im öffentlichen Sektor in Deutschland in den Jahren 2006-2008 [EPC]

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 14 / Reihe 3.6, 2008.
Tab. 6. Beschäftigte im Bereich Forschung und Entwicklung im öffentlichen Sektor in Polen in den Jahren 2006-2008 [EPC]

Quelle: BDR GUS.
In den beteiligten Regionen der Oder-Partnerschaft sind 26,4 % der Humanressourcen des Bereiches Wissenschaft und Technik Deutschlands und 20,8 % der Humanressourcen des Bereiches Wissenschaft und Technik Polens tätig. Im öffentlichen Sektor der ganzen Region lag die Beschäftigung im Jahre 2008 bei 41 727 EPC. Dies macht ca. 3,21 % der europäischen Ressourcen aus (EU-27). Das bedeutet, dass sich die Konzentration der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und die der Humanressourcen in diesem Bereich in der Region ähnlich ausfallen. Eine ausführlichere Darstellung der Konzentration der Aufwendungen und der Humanressourcen ist in der Abb. 1 dargestellt. Wegen der Beteiligung der Hauptstadt Deutschlands als großes wissenschaftliches und akademisches Zentrum in der Oderregion ist die dominierende Rolle Berlins in den finanziellen und personellen Ressourcen in Wissenschaft und Technik naheliegend. In Bezug auf die eigenen Ressourcen können die übrigen beteiligten Partner in eine stärkere Gruppe (Sachsen, Großpolen und Niederschlesien) und eine schwächere Gruppe (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Westpommern und Lebuser Land) unterteilt werden.

Abb. 1. Konzentration der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und der Humanressourcen in diesem Bereich in den Regionen der Oder-Partnerschaft
Vom Gesichtspunkt des Forschungspotentials werden sowohl im Falle der vorhandenen Humanressourcen als auch in anderen Aspekten der Forschung und Entwicklung in der Analyse der in der Region vertretenen Wissenschaftszweige wesentliche Unterschiede sichtbar. Es sind jedoch Statistiken, die nicht auf der regionalen Ebene verfügbar sind und auch auf nationaler Ebene oft gar nicht veröffentlich werden. Tab. 7 zeigt eine solche Statistik für Polen, Deutschland und die Länder der EU-27. Als Unterschiede ist insbesondere die Überrepräsentanz der Sozial- und Ingenieurwissenschaften in Polen und der Agrarwissenschaften in Deutschland sichtbar.
Tab. 7. Beschäftigte nach den Hauptwissenschaftszweigen [Personen - HC]

Quelle: Eigenberechnungen anhand der Daten aus dem GUS, dem Statistischen Bundesamt und EUROSTAT.
Aus Erfahrung ergibt sich, dass sich ingenieurtechnische Wissenschaften im Gegensatz zu Sozial- oder Geisteswissenschaften in der Regel nicht durch Konzentration der Humanressourcen, sondern eher durch eine höhere Konzentration der Aufwendungen auszeichnen. Daraus könnte man schließen, dass technische Wissenschaften die Stärke Sachsens und Brandenburgs sind, während in Berlin, Niederschlesien und Lebuser Land sie nicht zu den dominierenden Wissenschaften gehören.
Diese Studie stammt von dem Dokument "Analyse des Forschungspotentials der Region der Oder-Partnerschaft" erstellt im Auftrag des Marschallamtes der Wojewodschaft Westpommern im Zeitraum März-Mai 2010.
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